Tag der Kuh

„Tag der Kuh“ mit PROVIEH im NABU-Zentrum in Steinfurt am 16.09.2017

Eine kleine, aber sehr interessierte Gruppe von 10 Personen war der Einladung von Renate Waltermann aus der NABU-Ortsgruppe Steinfurt gefolgt und erlebte mit einer sehr engagierten und äußerst symphatischen Referentin des Vereins „PROHVIEH gegen tierquälerische Massentierhaltung“ einen informativen Tag im NABU-Zentrum am Lehmdorf in Steinfurt.

Im Vordergrund stand die Milchviehhaltung – Ein kurzes Leben für viel Milch und die Fakten:
4,3 Millionen Milchkühe gibt es in Deutschland, pro Jahr geben sie knapp 30 Millionen Tonnen Milch. Die meisten Milchkühe werden als Kälber betäubungslos enthornt. Spitzenleistungskühe bringen es auf 12.00 Liter Milch pro Jahr. Kuh und Kalb werden in der Regel gleich nach der Geburt getrennt. Rund die Hälfte der Milchkühe stehen ganzjährig im Stall und sehen niemals die Weide, Tendenz steigend.

Die Schattenseiten: Kühe müssen jedes Jahr ein Kalb bekommen, damit sie Milch geben. Sie werden künstlich befruchtet. Hochleistungskühe sind krankheitsanfällig. Bringen sie die gewünschte Leistung nicht, werden sie geschlachtet. Kühe werden durchschnittlich nur fünf Jahre alt. Sie könnten rund 20 Jahre alt werden. Das Schlachten tragender Rinder gehört zum Tagesgeschäft und bedeutet für das ungeborene Kalb einen qualvollen Erstickungstod. Problem: Bullenkälber sind Ausschußware, da sie für die gewinnbringende Mast zu wenig Fleisch ansetzen.
Vision: Kühe, die auf der Weide grasen. Kälber, die bei ihren Müttern aufwachsen. Gewaltfreie Milch – Milch, die von Kühen stammt, die ihre Kälber natürlicherweise säugen dürfen.
Kühe sind einzigartig: Sie pflegen Weiden und steigern dadurch die Artenvielfalt. Sie leben im Herdenverband und schließen tiefe Freundschaften zu Artgenossen. Sie kommunizieren unter anderem mit ihren Hörnern und sie merken sich, wer sie gut oder schlecht behandelt.

Die Theorie wurde mit Fragen der Teilnehmer und vielen Fotos aufgelockert und auch der gemütliche Raum mit geschmackvoller Dekoration trug trotz der Konfrontation mit Tierleid dazu bei, sich wohlzufühlen und in Gemeinschaft zu spüren:“Wir wollen etwas ändern!“ Aber wie?

PROVIEH ist Deutschlands ältester Fachverband für „Nutztiere“ und setzt sich seit über 40 Jahren für eine artgemäße Tierhaltung in der Landwirtschaft ein. Der Verband arbeitet wissenschaftlich und sachlich, ist eng verbunden mit der bäuerlichen Landwirtschaft und mit dem Herzen auf der Seite der Tiere.
Rinder, die auf der Weide grasen, Schweine, die im Erdreich wühlen und Hühner, die nach Würmern picken, ist eine Vision. Jedes Nutztier wird mit Respekt und Wertschätzung behandelt und die Haltungsbedingungen entsprechen den natürlichen und arteigenen Bedürfnissen der Tiere.
Viele kleinbäuerliche Betriebe wirtschaften schon eigenverantwortlich, nachhaltig und schaffen ein dichtes regionales Versorgungsnetz. Sauberes Wasser, ein gesunder Boden und die Zucht von gesunden und robusten Tieren haben Priorität. Einen solchen Betrieb möchten sich einige der Seminarteilnehmer im nächsten Jahr gemeinsam ansehen.

Nun aber gab es eine Hofbesichtigung auf einem Milchviehbetrieb in der Nähe des NABU-Zentrums. Diese vielfältigen Eindrücke wurden anschließend bei einer Tasse Kaffee im Tagungsraum ausgetauscht.
Danach Dank an die großartige Referentin aus Kiel und ebenfalls an Renate Waltermann vom NABU-Zentrum in Steinfurt für die liebevolle Vorbereitung und Durchführung des Seminares.

R.R.

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