Neujahrsempfang 2023 NABU KV Steinfurt

„Wir wissen genug, um jetzt zu handeln!“

Wussten Sie, dass der Alpenstrandläufer noch vor 150 Jahren zu den typisch münsterländischen Brutvögeln zählte?  Diese Erkenntnis und noch vieles mehr vermittelte Prof. Dr. Thomas Fartmann in einem spannenden Vortrag zum Thema „Erhaltung der Biodiversität westfälischer Kulturlandschaften“ beim Neujahrsempfang des NABU-Kreisverbandes Steinfurt im Schafstall des Walshagenparkes Rheine am vergangenen Sonntag.

„Weltweit haben wir bis heute 1,25 Millionen Arten beschrieben. Wie viele es wirklich sind, wissen wir nicht“, so einleitend die Vorsitzende Kerstin Panhoff.  Sie zeigte einen Bodenwürfel von 10 cm Kantenlänge und verblüffte mit der Aussage, dass in diesem kleinen Kubus bis zu 10 Milliarden Bodenlebewesen vorkommen – so viele wie es im Jahr 2050 voraussichtlich Menschen auf der Erde geben wird.

Dieses Beispiel zeige auch unser Nichtwissen, obwohl wir sehr genau wissen, dass die Vielfalt der Arten der Grundpfeiler der Ökosysteme ist, die das Leben insgesamt erst ermöglicht. Jedoch, so Panhoff, gehe es der Biodiversität insgesamt schlecht und verwies auf die Gefährdung zahlreicher Arten: „Bei den Brutvögeln in Deutschland sind es fast 50 Prozent, die gefährdet oder bereits ausgestorben sind.“

Das gemeinsame Bekenntnis der rund 200 Staaten auf der Weltnaturkonferenz im Dezember 2022 zum Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt nähme nun auch den Kreis Steinfurt in die Pflicht, den Artenschutz konsequent bei allen Entscheidungen mitzudenken und umzusetzen.

Wie die „Erhaltung der Biodiversität westfälischer Kulturlandschaften“ gelingen kann, erläuterte anschließend der Leiter der Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie an der Universität Osnabrück, Professor Dr. Thomas Fartmann. In einer anschaulichen und auf den Kreis Steinfurt bezogenen Präsentation verwies Fartmann eingangs auf das Shifting-baseline-Syndrom: Was wir heute als Artenvielfalt erkennten, sei nur ein Bruchteil der Vielfalt, die es noch vor 150 Jahren im Münsterland gegeben habe, wie er am Beispiel der ursprünglich typisch münsterländischen Brutvögel Alpenstrandläufer, Goldregenpfeifer und Birkhuhn illustrierte. Als Ursachen des Artenrückgangs machte Fartmann den Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsfläche, den Verlust an Ödland sowie den Wandel von einer heterogenen, nährstoffarmen, pestizidfreien und bunten Kulturlandschaft zu einer fragmentierten Landschaft mit industrieller Landnutzung und Fettgrünland aus. Um dem Artensterben entgegenzuwirken, seien daher der Erhalt und die Renaturierung von ausreichend großen Lebensräumen mit Habitatverbindungen von elementarer Bedeutung. Angesichts des Klimawandels müssten statt der gewohnten Praxis der Entwässerung die Wasserrückhaltung in der Landschaft angestrebt und Biodiversitätsleistungen in der Agrarlandschaft wie Extensivierungen finanziell stärker honoriert werden.

Die aufmerksamen Zuhörer dankten dem Ökologen mit großem Applaus für seinen informativen Vortrag und mit dem Fazit „Die Hausaufgaben sind aufgegeben – wir müssen sie nur noch machen!“ eröffnete die Vorsitzende Panhoff den anschließenden geselligen Teil, in dem sich bei Kaffee und Brötchen ein reger Gedankenaustausch der Gäste aus Politik und Gesellschaft entwickelte.

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Gute Bilanz der NABU-Ortsgruppe Ibbenbüren

Während des Neujahrsempfangs der NABU-Ortsgruppe Ibbenbüren am 12. Juni 2023 konnte Sprecher Reinhard Mau eine positive Bilanz für das Jahr 2022 ziehen. Er erläuterte den Gästen unter anderem die Maßnahmen am Regenrückhaltebecken im Gewerbegebiet Süd, auf die sich die meisten Aktivitäten der Mitglieder konzentrieren. Josef Püttschneider bat die Anwesenden, sich zu einer Schweigeminute für die in dieser Woche an den Kaufmännischen Schulen getötete Lehrerin zu erheben.

Mau berichtete über Arbeitseinsätze am Regenrückhaltebecken. Dabei wurden eine Trockenmauer und ein Kräuterbeet errichtet sowie aus Sandsteinplatten ein Areal zum Aufstellen des Pavillons ausgelegt. Dort sollen demnächst Aktionen mit Kindergärten, Schulklassen oder Senioren stattfinden. Der besondere Dank der Ortsgruppe galt den Sponsoren, die sich mit Geld- und Sachspenden für die naturnahe Ausgestaltung des Geländes eingesetzt haben sowie der guten Zusammenarbeit mit den Fachdiensten der Stadt Ibbenbüren.

Aktionen wie die Informationsstände zur Eröffnung des Aasee-Parks oder der „Tollen Knolle“, die erstmalige Beteiligung am Azubi-Tag und vor allem die „Batnight“ zur Fledermausbeobachtung stießen auf großes Interesse. Dass die Hängeseilbrücke am Nassen Dreieck in Hörstel vom Tisch ist, wurde allgemein begrüßt. Die Ortsgruppe engagiert sich in Gremien wie dem Klimaschutzbeirat, dem Seniorenbeirat oder der Grubenwasser-AG.

Im Ausblick für das Jahr 2023 sind bewährte Aufgaben, wie die Weiterführung der Arbeiten am Regenrückhaltebecken, Tolle Knolle, Azubi-Tag und Batnight geplant. Zwei Vorträge stehen auf dem Programm.

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Streitgespräch über Energiewende und Naturschutz

Gisbert Lütke und Jan-Niclas Gesenhues

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jan-Niclas Gesenhues sorgte für Aufsehen mit seiner Sichtweise auf die Energiewende im Kreis. Mindestens bei Gisbert Lütke, der den Artenschutz dagegenhält. Ein Streitgespräch. Regionen wie der Kreis Steinfurt seien „Leistungsträger der Energiewende“, sagte der Emsdettener Grünen-Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Niclas Gesenhues vor einigen Tagen im Gespräch mit unserer Redaktion. Und lobte die Fortschritte beim Ausbau der Windenergie. Das rief neben anderen auch den Naturschutz auf den Plan, der den Grünen vorwarf, den Natur- und Artenschutz zugunsten der Energiewende und wirtschaftlicher Interessen zu verraten. Wir haben deshalb Grünen-MdB Jan-Niclas Gesenhues und Nabu-Kreisgeschäftsführer Gisbert Lütke unter der Moderation von Redakteur Michael Hagel zum Doppelinterview an einen Tisch gebracht.

Herr Lütke, sind die Grünen jetzt die Feinde des Natur- und Artenschutzes?

Gisbert Lütke: Nein. Wir haben aber einen Dissens, weil einseitig die Belange des Klimaschutzes in die Betrachtung gerückt und der Natur- und Artenschutz dabei etwas übersehen werden.

Herr Gesenhues, Sie haben immer gesagt, dass Klima- und Naturschutz zusammengedacht werden müssen. Gilt das unverändert?

Jan-Niclas Gesenhues: Klar! Die Artenaussterbe-Katastrophe ist mit der Klimakrise die große ökologische Krise unserer Zeit. Ich bin ja selbst Naturschützer und habe auch öffentlich Entscheidungen der Bundesregierung kritisiert, deswegen stehe ich da nicht im Verdacht, besonders unkritisch zu sein. Aber wir haben schon auch einiges im Naturschutzbereich geschafft, etwa bei den Artenhilfsprogrammen oder beim Vier-Milliarden-Euro-Paket für Moore und Feuchtgebiete – das größte Naturschutzpaket der letzten Jahrzehnte.

Als Beobachter hatte man lange Zeit das Gefühl, dass die Grünen und der ehrenamtliche Naturschutz ganz gut zusammengearbeitet haben.

Lütke: Das bezweifeln wir gar nicht, aber wir haben beim Ausbau der Windenergie bei uns im Kreis eine Situation erreicht, die artengefährdende Ausmaße annimmt. Wir haben bei den Vögeln teils massive Bestandsrückgänge. Dennoch werden geschützte Bereiche für die Windenergie in den Fokus genommen. Das Problem ist in der Vergangenheit schon diskutiert worden, deshalb stellt unsere Reaktion gar keine Überraschung dar.

Gesenhues: Für mich ist völlig klar: Naturschutzgebiete sind auszuschließen beim Ausbau der Windenergie. Aber der große Feind der Artenvielfalt ist nicht die Energiewende, sondern eine verfehlte Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik. Ja, es gibt bei der Windenergie einen Zielkonflikt, den man bestmöglich lösen muss. Aber klar ist auch: Artenschutz braucht Klimaschutz, denn wenn die Klimakrise weiter eskaliert, dann gehen auch unsere Moore und Feuchtgebiete kaputt.

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Danke für 2022

Ein großes herzliches Dankeschön für euren ehrenamtlichen Einsatz für die Natur - ob draußen in den Wiesen, Mooren und auf den Feldern, bei den Kröten, als Urkunden-Überbringer, in den Bäumen, auf spätabendlichen Fledermaustouren, bei städtischen Veranstaltungen, als Referent/in oder als Ansprechpartner/in für telefonische Anfragen, in den unterschiedlichen Gremien, als Schreibtischtäter/in, als Handwerker oder als Naturschutz-Multiplikator in Kiga, Kita und Schule - ihr alle leistet einen erheblichen Beitrag dazu, dass die enorme Wichtigkeit des Naturschutzes im Kreis Steinfurt im gesellschaftlichen Bewusstsein bleibt. 

Lasst uns alles daran setzen, den Schwung aus dem Beschluss des globalen Weltnaturabkommens ins neue Jahr 2023 mitzunehmen, um in allen Lebensbereichen den Schutz unserer Lebensgrundlagen, der Artenvielfalt und Ökosysteme umzusetzen.

Euch allen wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr!

Kerstin Panhoff

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Waldweihnachten

 Die Naturschutzjugend plant eine neue Aktion!

 
Vorschau "Waldweihnachten":
 
Aktion für Kinder ab der 1. Klasse
 
Termin: 14. Dezember 2022
Uhrzeit: 15:00 Uhr - 16:30 Uhr
 
Weitere Infos folgen!
Anmeldung unter Ruth Schroer: NABU-Zentrum@NABU-KV-Steinfurt.de

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Wettbewerb gewonnen

Die Artenvielfalt vor der Haustür entdecken

 
Wie stellt man die Artenvielfalt dar? Damit beschäftigten sich die Schulkinder der Gemeinden Neuenkirchen, St. Arnold und Wettringen im Rahmen eines Wettbewerbs der Naturschutzjugend vom NABU. Antonia und Johann Reinke überzeugten die Jury mit ihrem Kunstwerk „Baum der Artenvielfalt“.
 
 
 
Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen“ so Rabea Dost, Jugendreferentin des NABU Kreisverbands Steinfurt. Kleine Steckbriefe wurden gefertigt, Blätterkollagen geklebt. Die beiden Gewinner erforschten die Natur direkt vor ihrer Haustür. Sie sammelten im nahegelegenen Wald eine Vielzahl von verschiedenartigen Blättern und Naturmaterialien und setzten sie als „Baum der Artenvielfalt“ kreativ zusammen.
 
Antonia und Johann freuen sich über ihren Gewinn. Mit dem Brettspiel „Flügelschlag“ können sie jetzt auch die Artenvielfalt der Vögel in Nordamerika entdecken und einiges über Lebensräume und bevorzugte Nahrung erfahren.
 
 
 

Auch die jetzige Aktion der Naturschutzjugend „Die Artenvielfalt im Natur-Zoo Rheine entdecken“ wurde gut angenommen. Rabea Dost und ihr Team planen mit dem NABU Neuenkirchen/Wettringen weitere Angebote für Kinder und Familien.

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